Ein Moment Ewigkeit |
| Posted by Axel Mende (admin) on 04/08/2011 |
Sie ist nicht ganz so groß, aber doch so groß wie Jesus, den man hier oft als Betonfigur in den Gärten seinen Segen spendend findet.
Ich wohne ca einen Kilometer entfernt hinter ihrem Rücken und auch mein Blick geht über den sich vor dem Strand entlang streckenden Waldstreifen und weit über das Meer hinaus.
Sie steht steif, in Beton gegossen mit ihrer Fackel im rechten Arm, wie ihre große Schwester am Ufer eines noch größeren Meeres, ebenfalls das Gesicht nach Osten der aufgehenden Sonne zu gewandt, aber sie steht auf dem Dachgiebel eines Landhandels. Auch sie blickt in den jungen Tag, ist Sinnbild der Hoffnung, der Freiheit und des Glückes. An diesem Ort findet sie seit langem kaum Beachtung und auch ich übersehe sie schon sehr oft.
Von der Freiheit könnte sie an der Küste von Lampedusa mit dem Gesicht nach Süden verkünden, von dort kommen die unglücklichen, hoffenden jungen Menschen aus Afrika. Sie wollen leben und Anteil haben am vermeintlichen Glück und Reichtum Europas.
Die Straße, an der sich der Landhandel befindet, führt nicht in die Freiheit. Sie führt von Norden nach Süden. Es ist die Ionica cento sei, Super Strada 106. Für viele, vor allem jungen Menschen, ist sie die Straße in die unendliche Dunkelheit, ins Vergessen, in den Tod.
Aus den im Westen im Dunst sichtbaren Silabergen kommend, ergießt sich in der Nähe der Fluss Neto, kurz nachdem er die auch als „Straße des Todes“ bekannte 106 unterquert hat, in das Ionisch Meer. Er bringt auch im Sommer noch das Wasser des Lebens in die Ebene und sorgt für die guten Ernten der Bauern.
Beiderseits dieser letzten Brücke stirbt in schnellen Autos die Jugend des Umlandes und man möchte meinen der unsichtbare Mann mit der Sense grinst höhnisch zur Statue der Freiheit oder dem segnenden Jesus hinüber während er erntet. Doch das tut er nicht. Er besitzt keinen Ehrgeiz und Gut und Böse kennt er nicht. Ihm entkommt kein Wesen auf dieser Erde. Es wäre ein Fluch, würde er jemanden vergessen. Er kennt auch keine Eile und vielleicht trauert auch er über die sinnlose, tödliche Eile der Jugend.
Es ist am Sonntagabend wieder passiert. Der Leichtsinn im Auto auf dem Weg in eine Disco in das nahe Crotone, wurde zur letzten Fahrt und führte über die Intensivstation des Hospitals auf den Friedhof von Strongoli.
Die Trauer und Bestürzung der Angehörigen, von Vater und Mutter, den Geschwistern, den Freunden und vielen anderen Einwohnern ist groß. Am Tag der Beerdigung blieben die Geschäfte geschlossen und auch am Strand war niemand.
Gestern fuhr ich an der Unglücksstelle vorbei. Nichts war zu sehen von dem nächtlichen Unfall. Die Straße führte wie immer von Norden nach Süden und bei normaler Fahrt verpasst man die Abkürzungen in die Ewigkeit.
Heute sitze ich hier im Haus, schaue aus dem Fenster über die Felder, den einzelnen Häusern der Streusiedlung hinweg und sehe wie immer den „Rücken der Freiheit“ und das Unendlichkeit versprechende Meer. Die Zikaden spielen das ewige und gleiche Lied, während ich in der Mittagshitze alle Zeit seit der Antike und den Anfang aller Tage in mir spüre.
Last changed: 04/08/2011 at 12:32
Back| zu | By Axel Mende on 08/08/2011 at 20:43 |
| oi | |
| test22 | By Unbekannt on 08/08/2011 at 20:45 |
| es funktioniert weil 5 +4 = 9 ist |
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| By Unbekannt on 09/08/2011 at 13:13 | |
| test | |
| By Unbekannt on 09/08/2011 at 13:16 | |
| Unser Kater Brama ist verspielt, neugierig, hat viele Freunde und er ist Muskelbepackt. Mit seinem weißen Fell, den blauen und schielenden Augen gehört er dem kalabresischen Landadel an. Wäre ich eine Kätzin, würde ich ihn - trotz der Schieleaugen - sofort verführen. Evchen |
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